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Der Brexit als historische Chance für die EU

 

Während sich die meisten Pro-Europäer auf die Risiken eines Brexits konzentrieren, sehe ich auch Chancen. Mein Beitrag für ein Pro&Kontra auf treffpunkteuropa.de.

Für mich ist der Brexit ist wie damals das Serienende von „How I Met Your Mother“: Ich freue mich nicht darauf, werde aber erleichtert sein, dass es vorbei ist. Jahr für Jahr lagen sie uns in den Ohren: Ted suchte die großen Liebe in New York, Cameron das Red Tape in Brüssel. Dazwischen gab es viel Drama, verrückte Nebenfiguren und viele Wiederholungen.

Anders als das Serienende ist das Europaende der Briten nicht definitiv. Niemand weiß genau, was auf den Brexit folgen wird. Sicher scheint nur zweierlei: es gibt historische Risiken und es gibt historische Chancen. Während sich die meisten Pro-Europäer auf das Risiko konzentrieren und die Briten mit Liebesbekundungen zu umarmen versuchen, freue ich mich auf den möglichen Fortschritt für Kontinentaleuropa. Anbei nur zwei Argumente, einmal mit interner und einmal mit externer Dimension:

Erstens gehen mit den Briten die offensichtlichsten Saboteure der europäischen Demokratie von Bord. Es ist historisch belegt, dass das Vereinigte Königreich vor allem der Europäischen Gemeinschaft beitrat, um dessen Entwicklung zu kontrollieren. Die Briten haben einen großen Anteil daran, dass sich die Europäische Union zu einer kalten Wirtschaftsgemeinschaft entwickelt hat, während sozialer Ausgleich und demokratische Verantwortlichkeit auf der Strecke blieben. Ohne die Bremser wird es leichter sein, die Fehler der EU zu berichtigen und mittelfristig eine echte europäische Demokratie zu schaffen.

Zweitens kann der Brexit eine befreiende Wirkung haben. Endlich muss sich die EU nicht mehr um sich selbst kümmern, sondern kann wieder als globaler Akteur auftreten. Und als erstes sollten dies die Briten zu spüren bekommen. Als Motto für die Austrittsverhandlungen sollten sich die EU-Unterhändler den Satz von Jean-Claude Juncker auf den Unteram tätowieren: „Der Deserteur wird nicht mit freundlichen Armen empfangen.“ Das Vereinigte Königreich muss am Ende der Gespräche deutlich schlechter dastehen, als es dies als EU-Mitglied tut. Die Botschaft an andere Austrittsphantasten, aber auch EU-Aspiranten und geopolitischen Rivalen: Die EU ist eine Macht, dessen Mitgliedschaft ein Privileg mit exklusiven Vorteilen ist. Wie der niederländische Journalist Joris Luyendijk ausführt, ist UK deutlich stärker vom europäischen Markt abhängig, als umgekehrt. Und in Frankfurt gäbe es genügend freie Bürotürme, damit die Londoner Banker nicht zu Obdachlosen werden.

Am Donnerstag entscheiden die Briten. Lasst uns dem Ergebnis selbstbewusst entgegenschauen.

Vincent Venus ist Bundessekretär der Jungen Europäischen Föderalisten (JEF) Deutschland. Dieser Beitrag spiegelt die persönliche Meinung des Autors wider. Die JEF Deutschland spricht sich für den Verbleib des Vereinigten Königreichs aus.

Auf treffpunkteuropa.de führt Paul Helm aus, warum er gegen einen Brexit ist.

 

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